VfL Bura Bura News

Mittwoch, Juni 6, 2012

Bura Bura is where the Graveyard Is! – Auslandsreise Wien 2012

Unsere diesjährige Auslandreise führte die Bura Bura-Delegation, die aus den Gebrüdern Durst (Walsh und Luke), Arbeiter, Späth, dem Heimweh-Wiener Reiber, Herrn Meier, sowie den Liechtensteinischen und Deutschen Gastarbeiterinnen Maja (Greisin der Truppe) und Marion (Foeti) bestand, ins schöne Wien.

Anm.d.Verf.: Aufgrund angedrohter Privatsphärenprobleme sind im folgenden Bericht die Namen der teilnehmenden Buritos (mit Ausnahme demjenigen des Verfassers) entstellt worden. FM

Nach problemlosem Flug machten wir uns, sobald alle ausgiebig Starbucks besucht hatten, das Gepäck gefunden und der Ticketautomat überlistet worden war, auf den Weg in unser Hotel, das (dem Verein durchaus angemessen) auf den Namen Atlantis hört. Nachdem die Zimmer zur Zufriedenheit aller bezogen waren ging es hinaus ins Wiener Abend- und Nachtleben. Die Meute war mit der Qualität des ersten Nachtessens zufrieden, nur Fabian fand sein Schnitzel fad und klein und die Pommes halb roh. Früher oder später zog sich der Mob ins Hotel zurück.

Da unser Fussballturnier erst am Sonntag stattfand, hatten wir den Samstag zur freien Verfügung. Nach einem Frühstück und einem kurzen Sightseeingtrip mit Belinda, wurden je nach Lust und Laune die folgenden Tätigkeiten vollführt: Anzug kaufen, H&M unsicher machen, selbstgemachte Chips essen, Hundertwasserhaus besichtigen, auf den Stephansdom steigen, im Kaffeehaus schlemmen, in Grinzing Heurigen trinken (in vino veritas), oder sich mal schnell aufs Ohr hauen. Erst abends kamen alle wieder zusammen, um den “Schnitzelwirt“ zu beehren. Und hier wurden nun wirklich alle Wünsche, was Schnitzel betrifft, erfüllt…Reiber hatte zum Glück danach die gloriose Idee, zur Verdauung einen “Zirbener“ (Tannenzapfenschnaps, eine leckere Spezialität aus dem Tirol) zu nehmen. Das pustete einige Mägen so richtig durch, so dass der Abend auf einem bizarren Strassenfest (“Blondine zu Luke: “Willst du Nudeln?“) und in winzigen Bars sein schönes Ende fand.

Überpünktlich fand sich der ganze Clan am Sonntagmorgen vor dem Hotel ein, wie es sich ziemt alle im Tourshirt (all denjenigen, die die jeweiligen Auslandsreisen nicht mitmachen, weil sie primär Walshs Shirtkreationen fürchten sei hiermit versichert, dass die Ausgabe 2012 mehr als gelungen war, schlichtes Weiss, mit regenbogenfarbenen Längsstreifen, die uns doch alle ein bisschen schlanker machten, zum Glück nach dem grossen Schnitzel-Fressen…). Wir hatten die grosse Ehre, am Ute-Bock-Cup 2012 mitzuspielen. Die Ute Bock ist eine 70jährige Dame, die sich seit Jahrzehnten für Flüchtlinge (vor allem afrikanischer Herkunft) einsetzt und aktuell über 300 Flüchtlingen in Wien Unterkunft, Verpflegung und Rechtshilfe bietet. Der gesamte Erlös dieses Fussballturnier, das von den “FreundInnen der Friedhofstribüne“ (einem Fanclub des Wiener Sportklubs, der sich explizit und tatkräftig gegen Homophobie, Sexismus und sonstige Diskriminierung einsetzt) organisiert wird, sollte Ute Bocks Flüchtlingsprojekt zu Gute kommen.
Bereits auf dem Fussweg von der Tramstation zum schmucken aber leicht maroden Stadion des Wiener Sportklubs (im übrigen der älteste, noch bespielbare Platz Österreichs) erläuterte Walsh den zufällig ebenfalls anwesenden Gastgebern die ganze Bura Bura – Vereinsgeschichte und die Schwächen auf dem Fussballplatz (Stärken werden eh überschätzt), was wir noch bitter bereuen sollten. Aber wir wollen nicht vorgreifen, deswegen der Reihe nach: Nachdem wir uns in den Katakomben, die sich definitiv nicht bundesligatauglich präsentierten, von Tenue Weiss auf standard rot-grün gewechselt hatten und erfahren hatten, dass wir nicht bedürftig genug seien, um Getränkebons zu erhalten, besuchten wir erstmal die namensgebende “Friedhofstribüne“, die so heisst, da sie unmittelbar neben dem Dornbacher Friedhof liegt. Die Stehplatztribüne, um die sich manche Legende rankt, und um deren Zukunft (wie um die des ganzen Stadions) Unsicherheit herrscht, lebt vom markigen Graffiti “Home is where the Graveyard is“. Doch unsere Aufmerksamkeit wurde alsbald weg von Fussball- und Stadionromantik auf den grünen Rasen gelenkt. Wir staunten über die kleinen Spielfelder (auf dem Platz wurden vier Felder, sowie ein Spielzelt und ein Streifen für Fans gezwängt) und Tore (vergleichbar mit einem Handballtor), auf denen das Turnier stattfinden sollte. Fabian liess sich da, ganz seiner allseits geschätzten Objektivität folgend, zum Spruch hinreissen, auf diese Tore würde er niemals mehr als zwei Tore kassieren – natürlich auf das ganze Turnier bezogen. Nun, der Torwart fürs erste Spiel war jedenfalls schnell gefunden…

Im Teilnehmerfeld von 26 Mannschaften, das sich im grossen und ganzen aus Flüchtlingsprojekten, Queerschlägern und linksalternativen Österreichern zusammensetzte, spielte neben uns noch eine zweite ausländische Mannschaft mit, nämlich TeBe Party Army aus Berlin. Wie es der Zufall (oder eben die Gastgeber) so wollte, waren die Berliner unser erster Gegner. Wie auf diesen Feldern recht wahrscheinlich endete das Spiel, dessen Niveau recht bescheiden war (die Bura Bura-Taktik für die folgenden Spiele kristallisierte sich aber schon heraus: weite, hohe Bälle von ganz hinten nach ganz vorne, jemand kann doch vor dem Tor einnicken resp. ablenken oder zurücklegen) 0:0. Bester Mann auf dem Platz war Comebacker Arbeiter, der bis auf den krönenden Abschluss keine seiner alten Stärken einbüsste. Gleich reihenweise verzweifelten die Buritos an der Berliner Torfrau (vermutlich haben sie ihr zu lange beim sehr professionell anmutenden Warmmachen zugeschaut).

Nun, lange Zeit um über diesen internationalen Vergleich zu sinnieren, blieb nicht, gleich stand mit dem Duell mit den Gastgebern der “Friedhofstribüne“ das nächste Highlight bereit. Für dieses Spiel übernahm Walsh den Goalieposten. Über mangelnde Arbeit konnte er sich in einem von beiden Seiten offensiv geführten Spiel (den ersten Torschuss gab Fabian in gewohnter Fairplaymanier schon nach 2 Sekunden ab) wahrlich nicht beklagen. Es rächte sich bitterlich, dass der Gegner bereits über unser Verhalten aufgeklärt worden war. Alsbald lagen die Buritos auch mit 0:1 in Rückstand. Torschütze war Geburtstagkind Maja, die eine von Walsh etwas ungewöhnlich abgeklatschte Flanke filigran und direkt im weiten Eck versenkte. Ein Tor, das definitiv ins Kuriositätenkabinett aufgenommen werden muss (was bei diesem Verein wahrlich etwas heisst!). Nun ungestüm anrennende Buritos konnten sich letztlich bei Walsh bedanken, der mit zahlreichen Glanzparaden dafür sorgte, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.

Im dritten Vorrundenspiel hiess der Gegner Mundwerk, eine bunt gemischte und äusserst sympathische Truppe, mit aufgemalten Katzengesichtern und einem anhänglichen Kätzchen im Sturm, das vor allem Luke äusserst gut gefiel. Das Spiel dümpelte so vor sich hin als sich Reiber, Späth, Arbeiter, Luke und Marion zu einer Traumkombination durchrangen und Arbeiter den Ball schliesslich nur noch ins verwaiste Tor schieben musste. Goalie Fabian hielt seinen Laden dicht und so stand zum Schluss ein würdiger 1:0-Sieg, der uns den zweiten Gruppenplatz und damit den Einzug ins Achtelfinale des Ute Bock Cups sicherte.
Dabei sollten wir auf den Drittplatzierten der Frauengruppe treffen, die Stahlstadtsocken aus Linz. Der erste Schock gleich nach 5 Sekunden: Reiber hatte sich wohl beim Warm spielen zu sehr angestrengt und musste mit einer schmerzhaften Oberschenkelzerrung vom Platz. Trotz drückender Überlegenheit verzettelten sich die Buritos danach immer wieder in panischen und überhasteten Einzelaktionen, anstatt ruhig und geduldig klare Torchancen herauszuspielen. Kaum ein Pass wollte gelingen. Und wenn doch mal etwas aufs Tor der Linzerinnen kam, war die tüchtige Torfrau (einmal mit Hilfe des Pfostens, einmal mit Hilfe des Schiedsrichters) nicht zu bezwingen. Und so kam es, wie es kommen musste: bei einem der Linzer Vorstösse in unsere Platzhälfte (die vorsichtig geschätzt an einer Hand abzuzählen waren) rutschte Torwart Luke, aka Mr. 0% Fangquote, mit seinen Hallenschuhen im dümmsten Moment aus und die Linzer Stürmerin drosch den Ball zum vielumjubelten Siegestor in die Maschen.

Zum Glück sah es der Modus des Turniers vor, dass die Verlierer des Achtelfinals im Fairplay-Cup mit allen Teams, die bis dahin ausgeschieden waren, weiterspielen durften. Da fühlten wir uns sowieso eher zugehörig, die grausame Schlappe hatte also auch unbestreitbare Vorzüge.

(Es sei hier noch erwähnt, dass das Finale des Ute Bock-Cups zwischen Ute Bock United (einem primär aus afrikanischen Flüchtlingen (beim einen oder anderen würde es mich nicht wundern, wenn er ein verkappter Nationalspieler aus Gambia oder Eritrea wäre) bestehenden Team, das technisch begeisternden Fussball spielte ) und Ballesterer (dem Team des übrigens äusserst lesenswerten, gleichnamigen, österreichischen Magazins für Fussballkultur) ausgetragen wurde. Wie so oft im Fussball, setzte sich letztlich die kraftvolle, europäische Art irgendwie gegen die überlegene Verspieltheit und Lockerheit der Afrikaner durch. Das Tor fiel in der Verlängerung mehr als typisch: Nach einem langen Einwurf kam der Ballesterer-Captain mit dem Kopf vor dem afrikanischen Hüter an den Ball und köpfte über ihn hinweg ins Tor. Da nutzten dem Ute Bock-Team alle Fallrückzieher, blitzschnellen Passkombinationen und Drehschüsse nichts, der an Edwin Van der Sar mahnende Torwart von Ballesterer blieb unbezwingbar. Europas altbewährte Waffen hatten mal wieder ausgereicht, um das Herz der dritten Welt zu brechen…)

Doch wieder weg von den Problemen der Makroebene, zurück zur Bura Bura-Kampagne: Das Achtelfinale im Fairplaycup durften wir gegen „Okto“ bestreiten, den Verein des Wiener Lokal TV’s. Dabei war Okto eindeutig spielbestimmend, spielte jedoch zu unpräzise, was sich in unzähligen Abschlägen vom Bura Bura-Tor widerspiegelte. Und ein ebensolcher war es dann auch, der die Entscheidung brachte. Den einmal mehr stereotyp hoch und weit vors gegnerische Tor geschlagenen Ball von Torwart Fabian lenkte Arbeiter in alter Horst Hrubesch-Manier mit der grauen Stelle an seinem Hinterkopf unhaltbar zum 1:0 ins gegnerische Tor ab. Es war das wohl schönste und von unserer Seite beste Spiel des Tages.

Im Viertelfinale wartete der FC Start. Eine Mannschaft des gleichnamigen Projektes, bei dem es um die Integration ins Wiener Leben für Schüler mit Migrationshintergrund geht. Wir wussten nicht recht, was wir von diesem Team erwarten sollten, manche fürchteten mühsames Geschnorre. Das Spiel wandelte sich aber ins pure Gegenteil, schon vor Anpfiff verbrüderten wir uns mit dem jungen Gegner. So entwickelte sich ein faires, wenn auch leicht chaotisches Spiel mit Torchancen hüben und drüben, das jedoch torlos endete, da Walsh den Matchball vergab. So musste das Penaltyschiessen entscheiden. Hier zeigten wir dann doch noch einmal eindrücklich, dass wir unsere Schweizer Herkunft nicht ganz leugnen können, nicht ein einziger Penalty konnte versenkt werden. Den Vogel (zumindest wenn grad einer vorbeigeflogen wäre) schoss dabei Luke ab, der die Kugel nicht nur übers Tor, sondern gleich ganz aus dem Stadion heraus kickte. Walshs Versuch scheiterte schon daran, dass er mit seinem schwachen Fuss schoss. Die Start-Techniker verwandelten hingegen zwei ihrer Versuche, was zum Sieg ausreichte. Schön war es aber, wie die Start-Spieler nach dem Spiel zu uns kamen und sagten, es sei super gewesen, gegen uns zu spielen, das sei das Spiel gewesen, das ihnen mit Abstand am meisten Spass gemacht habe, da es fair und freundschaftlich war (Start verlor zum Schluss das Finale des Fairplaycups nach grossem Fight und totaler Hingabe mit 1:2).

Damit war unser Fussballprogramm beendet, nach einem weiteren guten Spiel und Kampf auszuscheiden, konnte so einigermassen zufrieden hingenommen werden. Als Fazit kann man sagen, dass wir sicher nicht das Maximum herausgeholt haben, aber trotzdem mit unserer gemischten und unfitten Truppe ziemlich viel erreichten. Auch Fabians objektive Einschätzung vom Beginn hat sich bestätigt, nicht ein einziges Tor hat er nämlich in den vier Partien, in denen er im Tor stand, kassiert. Stolz wie Oskar zeigte sich auch Presidente Walsh, der gar noch vor dem Mikrofon einer österreichischen Fussballseite Red und Antwort stehen musste, wie es dazu kam, dass eine lustige Truppe aus der Schweizer Provinz bei einem Turnier in der Metropole Wien dabei war. Den Abend liessen wir mit Bier und Spare Ribs (nur Walsh schaffte die immense Fleischportion, Luke, wie immer ganz auf der Mikroebene verortet, nahm seine restlichen Rippchen mit, um sein Gewissen zu erleichtern und einen feinen Montagszmorgen geniessen zu dürfen…) im Biergarten ausklingen.

Leider war dieses grossartige BuraBura-Wochenende nach einer weiteren gediegenen Speise am Montagmittag zu Ende (passend dazu hatte Petrus die Schleusen über Wien geöffnet oder spielte er damit wohl eher auf Arbeiters Geburtstag an?) und wir flogen (mit Tannzäpfchenschnaps im Gepäck) zurück nach Zürich.

Danke für das tolle Turnier, Ute Bock und FreundInnen der Friedhofstribüne. Es machte riesig Spass, im altehrwürdigen WSK-Stadion zu spielen! Es war sehr beeindruckend, wie bei den vielen, verschiedenen Kulturen, die beteiligt waren, nicht ein einziges Spiel des gesamten Turniers gehässig endete, wie wirklich fast alle Teams mit gemischten Mannschaften antraten (auch in den Finalspielen kamen alle Frauen zum Einsatz) und wie das Miteinander für den guten Zweck wirklich im Vordergrund stand. Einen guten Eindruck über den Charakter des Turniers lässt sich durch folgende Bilderserien auf jeden Fall erhaschen:

http://glichtenberger.blogspot.co.at/2012/06/ute-bock-cup-2012.html

http://www.flickr.com/photos/stebobi/sets/72157629993151795/

posted by El Presidente at 8:35 am  

1 Kommentar »

  1. http://ballesterer.at/aktuell/catenaccio-fuer-den-guten-zweck.html

    Auch die erwähnen nicht, dass man ohne männliche Gegentreffer problemlos uralt aussehen kann…

    Kommentar von El Presidente — Juni 11, 2012 @ 9:30 am

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