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Dienstag, Oktober 15, 2013

She is handsome, she is pretty…

…she is the belle of Belfast city. Die diesjährige Auslandsreise führte sieben tapfere Buritos auf ein Spazier- und Passivsportwochenende in die nordirische Hauptstadt Belfast. Auch in diesem Jahr darf festgehalten werden, dass der Trip als Erfolg gewertet werden kann. Trotz verschiedenen inneren Unstimmigkeiten bei gewissen Teilnehmern, deren Mägen die vitaminreiche Kost einfach nicht recht vertrugen, unterhielten sich alle während der vergangenen Tage bestens, so dass alle gut gelaunt und einigermassen wach wieder in Zürich ankamen.

Wie so oft erwies sich die erstmalige Besammlung der Reisegruppe sogleich als der schwerste Teil der Reise. Einige Buritos ignorierten wohl die letzten Mails oder zumindest einen Teil von deren Inhalt, so dass weder der richtige Treffpunkt noch die ausgemachte Zeit von allen eingehalten wurde. Irgendwie hat man sich dann aber doch gefunden. Ein Teil der Abwesenden musste aber auf das sarnerische Einstimmungsritual verzichten. Die einzige auffällige Begebenheit beim nächsten Flug war „Hu“, welche beim Toilettengang sogleich ihre ganze Durchsetzungsfähigkeit in die Waagschale warf und sich prompt am hintersten Ende einer zuvor nicht vorhandenen Warteschlange wiederfand.

In Dublin mussten wir etwas auf den Bus warten, was uns so gut gefiel, dass wir auf einen späteren warteten. Dabei erfuhren wir, dass auch die Ostschweiz ihre Seebären hat und diese ihren ureigenen Charme an Häfen aller Art scheinbar tatsächlich besonders gewinnbringend einsetzen können. „Yo“’s gekonnte Anwendung seines namensgebenden Lautes führte nämlich prompt zum Erscheinen von sieben Guinness und der offensichtlichen Zuneigung der Kellnerin für unsere Gruppe. Das Trinkgeld von „No-Go“ dürfte diesen Effekt noch verstärkt haben. Leider vergass die Gruppe auf dem Rückweg daraus Kapital zu schlagen und widmete sich erst hinter den Sicherheitschecks dem letzten Inselfrühstück.

Nach Bezug der Hotelzimmer, welche der Gruppe grössere Nähe verschafften als sie eigentlich gebucht hatten, ging es ins nahestgelegene Pub. Schliesslich hatte kaum einer der Gruppe an dem Tag was gefuttert und der Uhrzeiger näherte sich verdächtig den abendlichen Stunden. Dort angekommen herrschten ob des örtlichen Geruchs zwar Zweifel. Glücklicherweise erfolgte dann aber bald die Erkenntnis, dass die Essensräume einen Stock höher zu finden seien. Dort sprangen einem die mit typisch irischen Sujets bemalten Tische sogleich ins Auge. Angeblich waren die Künstler, die selben Leute, welche auch für die Wandmalereien in Belfast verantwortlich waren. Jedenfalls war ihre Arbeit inspirierend – oder war es doch der Geruch aus dem unteren Stock? – und „Achoo“, auch bekannt als die menschliche Tischbombe, publizierte sogleich sein erstes Werk im zu wenig anerkannten Genre der Tischkunst. Zuvor war das Essen ganz gut gewesen…

In der Folge setzte die Gruppe zu einem kleinen Stadtzentrumsrundgang an und besichtigte neben der Innenstadt auch Queensisland, aka Böötli-Place. Besondere Beachtung fand der „Big Fish“, Belfasts Antwort auf das Millenium Stadium und den London Eye. Der deshalb im Volksmund auch „Millenium Mackrel“ genannte Lachs ist aber nicht ganz so gross wie sein Name und seine Schwesterprodukte auf der anderen Insel vermuten lassen könnten. Der folgende Gruppenausgang war lustig, aber vielen war die Müdigkeit dann doch schnell anzumerken. Nur „Yo“ und „Frodo“ bewiesen etwas Kondition. Der letztgenannte Name bezieht sich im übrigen auf ein Landei, das gerne Berge besteigt und seinen Ring glühen lässt, zudem war er wie es in einem uns bekannten Dialekt so schön heisst „fro do zsi“…

Am nächsten Morgen ging es zum Frühstück, wobei „ByeBye“ den Anschein machte in die künstlerischen Fussstapfen „Achoos“ treten zu wollen. Aber wie wir alle wissen ist kränklich das neue sexy… Beim Bestellen der Frühkost herrschte aber auch unabhängig von seiner leichenblassen Blüte allgemeine Verwirrung da die Babelfische wohl falsch eingestellt waren. Vielleicht nuschelte die Verkäuferin aber auch nur in einem starken Dialekt. Die Kunden könnten aber auch etwas übernächtigt gewesen sein. Dort wurde schnell der Tagesplan ausgemacht und organisiert. Mit einem ehemaligen IRA-Häftling ging es auf eine mehr als dreistündige Tour zu Fuss durch die Falls. Seine betont subjektiven Ausführungen zu seinen persönlichen Erinnerungen waren interessant und oft auch unterhaltsam. Leider reichte die Zeit nicht aus, um eine ähnliche Tour durch ein protestantisches Gebiet zu machen. Die Tour war ursprünglich auf drei Stunden angesetzt, weil unsere Gruppe aber „nothing about nothing“ wusste, verlängerte der Guide grosszügig.

Nach einer weiteren Malzeit ohne Guerillakunst ging es dann kurz zum Umpacken ins Hotel und im Anschluss ins Stadion. Dieses verfügt über genau zwei Zugänge, was schon ein ausreichender Hinweis darauf sein sollte, wo unsere zwei Taxis uns absetzten. Weil zudem „No-Go“ die Tickets alle an „Yo“ übergeben hatte, musste die grössere Gruppe von Buritos kurz ums Stadion rumgehen. Das ist beim Ravenhill gar nicht so einfach. Da es mitten in einem Wohnquartier lag, musste zunächst eine nichtendenwollende Zeile von Reihenhäusern abgelatscht werden, bevor endlich die langersehnten Abzweigungen gemacht werden konnten. Zum Glück war soviel Zeit eingeplant worden, aber etwas Taxigeld hätte man sich sparen können, wenn man so lange laufen hätte wollen…

Nach der Besichtigung von Futter-, Getränke- und Fanartikelangebot marschierte die Truppe ins Stadioninnere, um das mehrheitlich fertiggebaute Ravenhill auch von Innen zu mustern. Schön mal wieder ein Spiel in einem vollen, neuen Stadion mit Bier in der Hand auf einer Stehplatzrampe schauen zu dürfen. Die wenigen Gästefans waren zudem auf die verschiedenen Tribünen verteilt. Die friedliche und gute Stimmung wurde nur für ein paar Kommentare über die Regelauslegung des Unparteiischen unterbrochen. Jedenfalls war die erste Halbzeit ausgeglichen, wobei Ulster als Gastgeber manchmal etwas nervös wirkte und einen Versuch der tongolesischen Dampfwalze im Dienste des englischen Leicesters zulassen musste. Durch eine herrliche Aktion gelang es den Lokalmatadoren aber dennoch mit einem knappen Vorsprung in die Pause zu gehen. Das beruhigte wohl die Nerven, denn in der zweiten Halbzeit spielte eigentlich nur noch ein Team, das deshalb über den knappen Sieg nur mässig begeistert gewesen sein dürfte. Der Franzose mit der Pfeife hatte dafür in der Pause die Abseitsregeln scheinbar nochmals unter die Lupe genommen, als Kompensation aber zwei Versuche aberkannt – einen davon zurecht. Das Spiel machte Laune, so dass die Truppe noch etwas beisammensass. „Frodo“ sorgte dabei für die letzte Verwirrung des Abends. Nicht nur wuchs sein Häppchenappetit scheinbar mit jedem Bissen an, so dass er leere Teller gleich ersetzen liess, sondern er setzte am Ende des Abends „Hu“ und „No-Go“ noch volle Gläser hin, um sich gleich zu verabschieden…

Beim Frühstück am kommenden Morgen, bei dem der Babelfisch bereits durch Gewohnheit ersetzt worden war, besprach die Gruppe ihren Tagesplan. „Yo“ wurde zum Golfinfosammler delegiert. Dieser Plan scheiterte aber, so dass wir am Ende drei Dinge taten, für die Touristen – vor allem  aus der Schweiz – traditionell auf die Inseln pilgern: eine Wanderung, ein grottiger Fussballkick in einem Altbau und Eishockey… Der Spaziergang auf den den Cave-Hill zeichnete sich durch drei Dinge aus, die ziellose Anführerschaft von „Frodo“, das möchtergernstädtische Gemotze von „No-Go“ und die bergziegenhafte Eleganz von „Achoo“ beim Abgang. Die Einheimischen auf dem Berg zeigten sich ob unserer Gruppe und unsere Tagesplanung ebenfalls – äh – fasziniert.

Beim Essen im Belfast Castle – unsere Ausrede für eine kulturelle Aktivität – konnte „Frodo“ dem gackernden Grossvater am Nachbarstisch gerade noch widerstehen, so dass der Gruppe die übliche lautstarke Unterhaltung in Chickenesisch erspart blieb. Danach ging es per Taxi zum Windsor Park. „Polo“ scheiterte dabei bereits an der Türe des Taxis, weshalb er mit dem pinken Poloshirt beglückt wurde. Verwirrenderweise verweigerte er danach dessen Übergabe an spätere Preisgewinner aber konsequent, so dass er oder seine Freundin nun über ein Souvenir der Reise haben. „Yo“ der das Ganze im Auftrag einer abwesenden Burita organisiert hatte, schien das aber nicht weiter zu stören.

Der Taxifahrer outete sich als ehemaliger Torhüter der Belfast Giants. Entsprechend zeigte er bedeutend mehr Verständnis für unsere Planung. Nur die Auswahl des Fussballspiels weckte in ihm Zweifel, da Linfield bei den meisten anderen Vereinen nur wenig beliebt ist. Trotzdem fuhr er uns – mit kleinem Umweg infolge Bombendrohung – pünktlich zum Spiel, das dann aber leider nicht pünktlich begann. So hatten wir ausreichend Zeit um das Nationalstadion / die Baustelle zu besichtigen. An dem Bauwerk waren bestenfalls das Pub, das seinen Namen tatsächlich verdiente und den meisten hiesigen Varianten den Rang abläuft, und der Retrocharme als Pluspunkte auszumachen. Ähnliches lässt sich vom Spiel sagen. Linfield musste nicht, Dungannon konnte nicht. Die auffälligsten Akteure waren ein Linienrichter, der wohl schon die Wikinger an der Küste mit seinem Fähnchen begrüsst hat, die Nummer 3 von Linfield, der als wandelndes Klischee des britischen Fussballs in jeder Metzgerei besser aufgehoben wäre, und der Torhüter von Dungannon, der als menschlicher Farbtupfer auf der Linie immerhin eine Funktion fehlerfrei ausübte. Der Nummer 22 von Linfield bescheinigte „Achoo“ dann doch noch etwas Talent.

Das Eishockey war auf einem höheren Niveau als „Yo“ und „No-Go“ von ihrem letzten Rencontre mit den Giants in Edinburgh zu berichten hatten. Es war aber trotzdem ziemlich rumplig. Viel schockierender war das ganze Ambiente – ein Lärm- und Werbespektakel für die simplesten Gemüter, dessen Kommerzialisierungsgrad die FIFA tatsächlich wie eine gemeinnützige Organisation erscheinen lässt. Gerade im Vergleich zum abbruchreifen Fussballnationalstadion war das Erlebnis aber eindrücklich. Zudem sahen wir nach dem 22-16 von Ulster gegen Leicester, dem 2-0 von Linfield gegen Dungannon nun mit dem 4-2 der Giants gegen die Steelers den dritten Heimsieg. Die auffälligsten Akteure waren „Achoo“ dessen Niessen den Leuten im Umkreis von 5m Kopf- und Ohrensausen und der Stadt Belfast vermutlich eine weitere Bombenschutzübung einbrachte, sowie ein intellektuell herausgeforderter Herr gleich vor uns, der „Frodo“ erneut in seinen Kerndisziplinen, also sinnlosen Geräuschen und Gesten, herausforderte. Doch auch hier blieb der Burito hart und liess sich nicht auf einen Wettstreit ein. Danke.

Nach dem Spiel gaben wir uns doch noch der Kultur hin. Live-Musik bei Kellys unterhielt die Truppe bestens, so dass die meisten mehr Schlaf im Bus zum Flughafen als im eigentlichen Hotel finden sollten. „Frodo“ begann sich dort endlich an seinen neuen Freund Mr. Porky zu gewöhnen und „No-Go“ nutzte die Gelegenheit um endlich dessen Davoserkappe zu verschenken. Der Umstand, dass die Beschenkte aus Norwegen kam, tat natürlich rein gar nix zur Sache… Der Rückweg ging wohl als verstopftester Flug der Geschichte ein, da sämtliche Irlandsreisende vermutlich konzentriert bleiben mussten, um massenvernichtungswaffenähnliche Ausdünstungen in diesen engen Räumen zu vermeiden. Diese sollten als unwillkommenes Souvenir mit den zuhausegebliebenen geteilt werden, so dass sich ganz neue Tränen mit jenen der Wiedersehensfreude vermengten. Schön sind wir zurück, nicht?

posted by El Presidente at 10:31 am  

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